Erleuchtung garantiert: Unter Wasser richtig blitzen. Foto: H. Frei

Erleuchtung garantiert: Unter Wasser richtig blitzen. Foto: H. Frei © -

Unterwasserfotografie: Unter Wasser richtig blitzen

Unterwasserfotografie: Unter Wasser richtig zu blitzen ist für viele Fotografen eine echte Herausforderung. TAUCHEN-Fotograf Herbert Frei bringt Licht ins Dunkel und zeigt, wie die perfekte Ausleuchtung mit Blitzen funktioniert.

Was immer die Industrie an Kameras und Objektiven auf den Markt bringt – unter Wasser bleibt das Dilemma der Ausleuchtung mit Blitzlicht. Was an Land meistens eine unkomplizierte Sache, ist wird beim Tauchen zum Problem. Zum Aufhellen des Vordergrunds besitzen die meisten Digitalkameras – mit Ausnahme ausgewiesener Profimodelle – einen eingebauten Blitz. Leider arbeitet diese nützliche Lichtquelle im Wasser oftmals alles andere als zufriedenstellend, weil die vom frontalen Licht angestrahlten Schwebepartikel reflektieren und unschöne Blendenflecken (Vielecke) sowie weiße Pünktchen (Trübstoffreflexionen) erzeugen. Während man die weißen Pünktchen, sofern es nicht zu viele sind, mühsam mit einem Bildbearbeitungsprogramm entfernen kann (mehr dazu im neuen TAUCHEN 07-2020), gelingt das bei den Blendenflecken nur unzulänglich – oder gar nicht. Die beste Methode, sich Arbeit bei der Nachbearbeitung zu ersparen, liegt also darin, erst gar keine Trübstoffreflexionen zu erzeugen. Das ist allerdings nicht selten mit einem Wunschdenken verbunden, denn die meisten Gewässer, insbesondere die heimischen, können in der Regel nur mit mäßig klarem Wasser aufwarten.

UW-Fotografie: Im Gegenlicht fotografieren

Um keine Trübstoffreflexionen entstehen zu lassen, müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein: Klares Wasser oder ein externes Blitzgerät. Der externe Blitz ist zudem die einzige Geräteoption, mit der man größere Flächen nicht nur weit, sondern unter bestimmten Voraussetzungen auch kreativ ausleuchten kann. Den meisten UW-Fotografen geht es um eine saubere und harmonische Ausleuchtung. Eventuell kombiniert mit der natürlichen Wasserfarbe im Hintergrund, Mischlicht genannt. 

 

Mit ausreichend Licht lassen Forellen effektiv in Szene setzen. Foto: H. Frei

In der Natur ist auch das klarste Wasser niemals wirklich rein. Selbst bei einer Supersicht von 100 Metern horizontal sind kleinste Verunreinigungen vorhanden. Winziges Phyto- und Zooplankton ist überall. Sie sind nicht immer vom menschlichen Auge erkennbar, aber bei Blitzaufnahmen als kleinste Pünktchen störend zu sehen. Schlechte Sicht hat deshalb explizit ihre Ursache in einer exorbitanten Anhäufung von Sandkörnern, Algenfäden und Plankton. Manchmal sind auch verschmutzte Einleitungen wie gelöster Lehm, Schlamm und Blütenpollen verantwortlich für die reduzierte Transparenz. Trifft Blitzlicht frontal auf die Schwebeteilchen, reflektieren sie und machen sich als störende Flecken und weiße oder braune Punkte bemerkbar. Man könnte jetzt auch sagen: „Na und? Das ist halt so. Der Natur ist es im Übrigen egal, ob wir fotografieren oder nicht. Aber der Mensch strebt immer nach dem Vollkommenen und der Perfektion. Und deshalb stören Trübstoffreflexionen, die sogenannten „Back-Scatters“. Viele UW-Fotografen entfernen sie deshalb aufwendig mit Bildbearbeitungsprogrammen, was dem Bild zwar guttut, aber manchmal auch etwas unnatürlich wirkt. Denn Schwebeteilchen sind nichts Unnatürliches. Man sieht sie auf Bildern, selbst wenn nicht geblitzt wird. Nun stellt sich die Frage, wie sie beim Blitzen vermieden werden können.

BLITZEN MIT TTL ODER MANUELL?


Welche Einstellung ist die beste? Wenn es sich um die echte TTL- Blitzbelichtung, also Blitzbelichtungsmessung durchs Objektiv, handelt, sind im Nahbereich bis 80 Zentimeter Motivdistanz in klarem Wasser zufriedenstellen- de bis gute Ergebnisse zu erwar- ten. Einsteiger wollen automatisch blitzen. Auch wenn Profis und Wettbewerbsfotografen die manuelle Blitzbelichtung bevorzugen. Kompaktfotografen, die mit dem integrierten Kamera- blitz belichten, müssen immer automatisch blitzbelichten, denn keine Kompaktkamera gestattet das manuelle Blitzen. Die besseren beherrschen die TTL-Blitzbelichtung. Kamerahersteller wie Olympus, die auch UW-Gehäuse für spiegel- lose Systemkameras herstellen und über eigene Amphibienblitzgeräte verfügen, haben die automatische Blitzbelichtung sowohl mit einem als auch mit zwei Blitzgeräten zur perfekten Kommunikation zwischen Ka- mera und externem Blitz ausgebaut. Auf diese Weise gelingen sogar TTL-Blitzbelichtungen

Nahlinsen: Winzlinge formatfüllend fotografieren

im Gegenlicht. Für schnelle Szenenwechsel ist die automatische Blitzbelichtung ein Segen, weil man nicht immer manuell eingreifen muss und das oftmals aus Zeitgründen auch nicht schaffen würde. An Grenzen stößt die TTL-Blitzbelichtung im Superweitwinkel-und Fisheye-Bereich. Bis etwa zum Bildwinkel von 100 Grad kann die automatische Blitzbelichtung noch mit ungeübten UW- Fotografen mithalten, die sich mühselig durch den manuellen Modus quälen. Jenseits dieser Bildwinkelgrenze beginnen dann Unwägbarkeiten in die Blitzbelichtung einzugreifen, die eine Automatik nicht mehr selektieren kann. So kann die TTL-Blitzbelichtung bei einem hellen Fisch im dunkelblauen Wasser mit Landschaft dahinter nicht wissen, welches Objekt denn nun Priorität besitzt. Moderne Systeme orientieren sich zwar am Autofokuspunkt, aber eine Garantie für eine exakte Blitzbelichtung ist das nicht. Wer den Bildwinkel ins Uferlose treibt, sollte manuell blitzen oder durch Selbstversuche herausfinden, welche Blitzbelichtungskorrektur bei der automatischen Blitzsteuerung zum besten Ergebnis führt. Blitzbelichtungskorrekturen können bei vielen besseren Kameras im Bereich in Untermenüs vorgenommen werden.

SYNCHRON BLITZEN ODER FIBEROPTISCH BLITZEN ODER FIBEROPTISCH ARBEITEN?

Seit geraumer Zeit konkurrieren zwei technische Prinzipien zum Auslösen der externen Blitzgeräte miteinander. Die konservative Lösung bevorzugt das fest in der Blitzbuchse verschraubte Synchronkabel. Professionelle Kameras können meistens nur damit gezündet werden. Technisch gesehen ist es die beste Lösung für TTL-Blitzen, aber auch die teuerste. Man benötigt ein teures Synchronkabel, eine auch nicht gerade billige Blitzbuchse am UW-Gehäuse und eine Kamera mit Blitzschuh. Im Prinzip wird diese Lösung überwiegend für SLRs angewendet. Beim Gehäusehersteller Seacam werden die UW-Gehäuse generell mit Synchronbuchsen ausgestattet. Die fiberoptische Alternative findet dort wenig Gehör. Auch weil die meisten Profikameras keinen integrierten Blitz besitzen.

Da die meisten Kompaktkameras und viele spiegellose Systemkameras keinen Blitzschuh haben, musste man für diese Kamera eine andere Lösung finden. In diesen Kameraklassen ist der kameraseitige Blitz zur Normalität geworden. Spiegellose Systemkameras ohne integrierten Blitz können aber allesamt mit einem kleinen Zusatzblitzgerät versehen werden. Dieser ist Voraussetzung, wenn man fiberoptisch arbeiten will. Der von diesem oder einem fest eingebauten Blitzgerät abgege- bene Lichtimpuls wird über das fiberoptische Kabel (Lichtlei- ter) zum externen Blitzgerät weitergeleitet und zündet dieses manuell oder aber mit der TTL-Blitzsteuerung. Auch die Vorblitze werden registriert. In Versuchen wurde festgestellt, dass diese Art der automatischen Blitzbelichtung nicht signifikant schlechter ist als die mit einem Synchronkabel. Fiberoptisch zu blitzen hat.

SO STELLEN SIE DEN BLITZ RICHTIG EIN, UM BACKSCATTING ZU VERMEIDEN


Farben verlangen nach Blitzlicht. Ob man das Reflektieren von Schwebeteilchen in allen Fällen verhindern kann, ist selbst unter guten UW-Fotografen umstritten. eigentlich geht es nicht, denn bei entsprechenden Bildvergrößerungen am pc (100-prozent-Ansicht) kommen Flecken ans tageslicht, die man vorher mit bloßem Auge nicht gesehen hat. ehrlicher ist es, man spricht von reduzierten trübstoffreflexionen. in dieser Hinsicht kann man wirklich einiges herausholen.

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Tipps für Blitzfotografie

1. Möglichst frontales Blitzen vermeiden
Reduzieren Sie diese Blitztechnik – wenn, dann nur in sehr klarem Wasser.

2. Immer einen langen Blitzarm verwenden
Nutzen Sie für ein externes Blitzgerät einen flexiblen Blitzarm mit einer Mindestlänge von 60 Zentimetern.

3. Ein Blitz: zentralmittig und von oben
Bei einem externen Blitz sollte das Licht zentralmittig auf das Motiv strahlen. Hierzu muss das Blitzgerät über der Kamera positioniert werden. Wenn der Abstrahlwinkel groß ist nicht mit 45 Grad fotografieren.

4. Schlechte Sicht?
Wenn möglich einen Diffusor vor dem Blitzreflektor verwenden! Bei externen Blitzgeräten werden Diffusoren nur als extras mitgeliefert. Das licht wird weicher und harmonischer, und trübstoffreflexionen werden verringert.

5. Bei zwei Blitzen ist die Einstellung der Brennweite wichtig
Wenn Sie zwei externe Blitz- geräte einsetzen wollen, entscheidet der Bildwinkel des Objektivs, wie man sie platziert.

6. Bei Makro immer in die Zange nehmen
Makroaufnahmen leuchtet man vorzugsweise mit einem Zangenblitz aus. Nahaufnahmen mit Zange oder parallel nahaufnahmen bis 70 Zentimeter Distanz mit Zangenblitz nur in klarem Wasser. Blitzgeräte besser parallel und nach unten richten.

7. Weitwinkel mit 90 Grad von oben
Weitwinkelaufnahmen bis zu einem Bildwinkel von 90 Grad von oben ausleuchten. Blitzarmlänge: 80 Zentimeter Minimum!

8. Superweitwinkel in Höhe der Optikachse
Extreme Weitwinkelbilder bis 130 Grad mit zwei parallel ausgerichteten Blitzgeräten in Höhe der optischen Achse ausleuchten. Blitzgeräte seitlich hinter dem port positionieren.

9. Fisheye immer parallel positionieren
Bei Fisheye-Bildern gibt es mit zwei Blitzgeräten kaum eine Alternative zu der parallelposition auf der optischen Achse, weil der diagonale Bildwinkel von 180 Grad bei der 45-Grad- Blitzgeräteposition fast immer den Lichtschein erfasst. Die Blitzgeräte werden in Höhe der optischen Achse etwas hinter dem UW-Gehäuse platziert. Dazu bedarf es allerdings langer Blitzarme mit mindestens 80 Zentimetern Gesamtlänge. Seitlich angestrahlte Trübstoffe gibt es tendenziell häufiger, je kürzer die Blitzarme ausfallen!