Tauchen nach einem Herzinfarkt ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber an klare medizinische Voraussetzungen gebunden.
Der Artikel erklärt, wann Tauchtauglichkeit bei koronarer Herzkrankheit möglich ist und welche Risiken bestehen.
Relevant ist das Thema vor allem für ältere Taucher und Wiedereinsteiger mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Entscheidung basiert immer auf individueller kardiologischer und tauchmedizinischer Beurteilung.
Die Leserfrage:
»Hey Doc, ich hatte vor drei Monaten einen leichten Herzinfarkt und zwei Stents erhalten. Aktuell fühle ich mich wohl und habe auch mit dem Rauchen aufgehört. Ich will gerne wieder meiner großen Leidenschaft, dem Tauchen, nachgehen. Ist das möglich?«
Ist Tauchen nach einem Herzinfarkt wieder möglich?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen kann Tauchen nach einem Herzinfarkt wieder möglich sein. Entscheidend ist jedoch eine ausreichend lange Erholungsphase sowie eine umfassende medizinische Neubewertung.
Nach aktuellen Empfehlungen tauchmedizinischer Fachgesellschaften gilt:
- mindestens 12 Monate Tauchpause nach Herzinfarkt
- anschließend vollständige kardiologische Diagnostik
- individuelle Bewertung durch Tauchmediziner
Erst wenn stabile Verhältnisse vorliegen, kann eine eingeschränkte oder vollständige Tauchtauglichkeit wieder erteilt werden.
Was ist eine koronare Herzkrankheit (KHK)?
Die koronare Herzkrankheit entsteht durch Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen (Arteriosklerose). Diese verengen die Gefäße und reduzieren die Durchblutung des Herzmuskels.
Mögliche Folgen:
- verminderte Sauerstoffversorgung des Herzens
- Belastungseinschränkung
- Angina pectoris (Brustenge)
- Herzinfarkt
Die KHK zählt weltweit zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ist eine zentrale Fragestellung in der Tauchmedizin.
Welche Voraussetzungen müssen für Tauchtauglichkeit erfüllt sein?
Eine Tauchtauglichkeit bei KHK ist nur bei stabiler Erkrankung möglich. Maßgeblich sind folgende Kriterien:
Merkmal – Bedeutung – Praxisbezug
- Symptomfreiheit
Keine Beschwerden unter Belastung
Keine Angina pectoris im Alltag oder bei Sport - Belastbarkeit
Ausreichende körperliche Leistungsfähigkeit
Beispiel: mehrere Minuten Treppensteigen ohne Beschwerden - Unauffällige Diagnostik
Normale Befunde in Belastungs-EKG und Echokardiografie
Ggf. ergänzende Bildgebung - Kontrollierte Risikofaktoren
Gute Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten
Rauchstopp ist essenziell
Nur wenn alle Punkte erfüllt sind, kann Tauchen wieder in Betracht gezogen werden.
Warum ist eine stabile Herzfunktion beim Tauchen so wichtig?
Beim Tauchen wirken mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig auf das Herz-Kreislauf-System:
- erhöhter Umgebungsdruck
- Kälte
- körperliche Anstrengung
- psychischer Stress
Diese Faktoren können das Risiko für:
- Herzrhythmusstörungen
- akute Durchblutungsstörungen
- Kreislaufprobleme
- deutlich erhöhen. Eine stabile Herzfunktion ist daher Grundvoraussetzung für sicheres Tauchen.
Wann besteht ein klares Tauchverbot?
Ein absolutes Tauchverbot besteht bei manifester Angina pectoris.
Typische Symptome:
- Druck- oder Engegefühl im Brustkorb
- Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken
- Beschwerden bei körperlicher Belastung
Unter Wasser kann ein solcher Anfall gravierende Folgen haben:
- Panikreaktionen
- Kontrollverlust
- Luftnot oder Lungenödem
- Herzinfarkt oder plötzlicher Herztod
Aus tauchmedizinischer Sicht ist in diesem Fall keine Tauchtauglichkeit gegeben.
Welche Untersuchungen sind vor der Rückkehr ins Wasser notwendig?
Vor einer Entscheidung über die Tauchtauglichkeit sind mehrere Untersuchungen erforderlich:
Ruhe-EKG
Belastungs-EKG
Echokardiografie
ggf. zusätzliche Bildgebung (z. B. Myokardszintigrafie oder Koronar-CT)
Ziel ist die objektive Beurteilung der Herzfunktion und Belastbarkeit.
Wie bewerten Fachgesellschaften die Tauchtauglichkeit?
Empfehlungen von GTÜM und UHMS lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- stabile, symptomfreie KHK:
Tauchen unter Voraussetzungen möglich - nach Herzinfarkt oder Stent:
mindestens 12 Monate Pause, danach Neubewertung - Angina pectoris:
absolute Kontraindikation - zusätzliche Risikofaktoren:
erweiterte Diagnostik erforderlich
Diese Leitlinien dienen als Grundlage für die individuelle Entscheidung.
Fazit
Tauchen ist bei koronarer Herzkrankheit nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Entscheidend ist eine stabile Erkrankung mit guter Belastbarkeit und unauffälligen Befunden.
Nach einem Herzinfarkt ist Geduld erforderlich: Erst nach mindestens einem Jahr und umfassender Untersuchung kann eine erneute Tauchtauglichkeit geprüft werden.
Die Entscheidung sollte immer gemeinsam von Kardiologe und erfahrenem Tauchmediziner getroffen werden.
Dieser Beitrag gehört zur Serie »Hey Doc, bin ich damit tauchtauglich?« Tauchmediziner Dr. Dr. Philipp Stahl von aqua med beantwortet Leserfragen zu gesundheitlichen Voraussetzungen fürs Tauchen. Die Themen reichen von Herz- und Kreislauferkrankungen über Ohrprobleme bis zu individuellen Risiken beim Gerätetauchen.
Dieser Artikel erschien in TAUCHEN 11/25. Die Webfassung wurde redaktionell angepasst.
Häufige Fragen zum Tauchen nach einem Herzinfarkt
Wie lange muss ich nach einem Herzinfarkt mit dem Tauchen pausieren?
In der Regel mindestens 12 Monate. Danach erfolgt eine umfassende medizinische Neubewertung. Eine frühere Rückkehr ins Wasser wird nicht empfohlen.
Ist Tauchen mit Stents grundsätzlich erlaubt?
Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Entscheidend sind stabile Gefäßverhältnisse, gute Belastbarkeit und unauffällige Befunde in der Diagnostik.
Ist Tauchen mit koronarer Herzkrankheit gefährlich?
Es kann gefährlich sein, wenn die Erkrankung nicht stabil ist. Insbesondere bei eingeschränkter Belastbarkeit oder Symptomen steigt das Risiko für schwerwiegende Zwischenfälle unter Wasser.
Welche Rolle spielt meine körperliche Fitness?
Eine zentrale Rolle. Gute Belastbarkeit ist eine Grundvoraussetzung für Tauchtauglichkeit. Sie wird unter anderem durch Belastungs-EKG überprüft.
Kann ich als älterer Taucher weiterhin tauchen?
Ja, das Alter allein ist kein Ausschlusskriterium. Entscheidend ist der Gesundheitszustand, insbesondere die Herz-Kreislauf-Funktion.
Bisher in dieser Serie erschienen sind:
Tauchen mit Diabetis Mellitus – was möglich ist
Tauchtauglichkeit – Ablauf, Nutzen und Kritik
Tauchen mit Paukenröhrchen und Mittelohrentzündung
Tauchen mit Bluthochdruck – wann ist man tauchtauglich
Tauchen mit Asthma – ist ein Tauchkurs möglich?
Tauchen mit PFO – was bedeutet das für Taucher
Angststörung und Tauchen – geht das?
Externe Quellen
Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM)