© Wunderschöne Gegenlichtaufnahme eines Tauchers mit einer Peitschenkoralle (Foto: Herbert Frei).

UW-Fotografie: Im Gegenlicht fotografieren

Mystische Motive mit Licht: Der direkte Einfall von Sonnenlicht gehört zum schönsten Gestaltungsmittel der UW-Fotografie. TAUCHEN- Fotograf Herbert Frei zeigt, wie Gegenlichtaufnahmen perfekt gelingen. 

Gegenlichtaufnahmen bei der UW-Fotografie lassen sich nur bedingt planen – manchmal ergeben sich Situationen, die man nicht ins Kalkül gezogen hatte. Dann heißt es schnell handeln, die Belichtung der neuen Situation anpassen, in kürzester Zeit entscheiden, ob man blitzen sollte oder nicht. Einfach ist das nicht, denn mobile Motive wie Fische, Schildkröten oder Delfine warten selten geduldig, bis der Auslöser getippt ist. Taucher kann man zwar im Riff hinter Korallen oder im See zwischen versunkenen Bäumen platzieren, aber deren Haltung kann auch nicht durchgehend mit großer Freude betrachtet werden. Die meisten Gegenlichtaufnahmen mit Tauchpartnern werden im Hochformat gemacht. Das ist logisch und nachvollziehbar, weil man Taucher immer in der oberen Bildhälfte platziert. Und die ist bei konsequenter Hochformatausrichtung flächenmäßig günstiger als das Querformat.

Hier wurde die Kamera nach oben gehalten. Das Anblitzen des Korallenstocks bringt Farbe ins Motiv. Foto: H. Frei

BRENNWEITEN

Gegenlichtaufnahmen sind praktisch mit allen für den UW-Fotografie-Einsatz geeigneten Brennweiten möglich. Auch die Zooms in Kompaktkameras, Weitwinkel- und Fisheye-Konverter sowie Makrooptiken, die man dabei oft völlig vergisst, öffnen das Tor in einen unbekannten Korridor voller Überraschungen. Üblicherweise nimmt man für Gegenlichtaufnahmen der bekannten Art große Bildwinkel.

Weitwinkel-Zooms: Die Herrscher über den Raum

Superweitwinkel- und Fisheye-Objektive sind die Favoriten in dieser Kategorie. Nicht nur, dass man wegen der großen Bildwinkel nah heran kann und räumlich gestalten kann, ein wesentlicher Vorteil ist die sich durch solche Objektive optisch verkleinernde Sonne. Mit Zirkular-Fisheye-Objektiven lassen sich ebenfalls beeindruckende Motive erzielen.

Kreisrunde Gegenlichtmotive mit einem Zirkular-Fisheye-Objektiv. Foto: H. Frei

GEGENLICHT

Typische Gegenlichtaufnahme: der Vordergrund wird angeblitzt und die Sonne erscheint klar. Stellt der Autofokus bei Kompaktkameras im Gegenlicht nicht immer scharf, wenn das Licht zu grell ist. Wenn sich der AF-Messpunkt in der dunklen Silhouette des Motivs verliert, pendelt der AF ziellos hin und her. Dann heißt es, eine Kante suchen, die Schärfe speichern und gestalten. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es bei Gegenlichtaufnahmen durchaus Unterschiede bei der Scharfeinstellung mit den verschiedenen AF-Systemen gibt. Mit welcher Scharfeinstellungsmethode der Autofokus seinen Dienst verrichtet, kann entscheidend sein, ob das Bild gelingt oder nicht. Gegenlichtaufnahmen mit Silhouettencharakter lassen sich mit einem nach der Kontrastmethode arbeitenden AF (spiegellose System- und Kompaktkameras) besser scharf stellen, als die Scharfstellung nach dem Prinzip der Phasendetektion arbeitet.

Klares Süßwasser ist ein ideales Terrain, um Gegenlichtaufnahmen mit Überwasserlandschaft zu kombinieren. Foto: H. Frei

Gegenlichtaufnahmen fordern die Optik und zeigen gnadenlos, wo die Fehler im optischen System liegen. Konverter können deshalb aus besagtem Grund mit einem Spitzenobjektiv nicht mithalten. Auch, wenn der Vorsatz teuer war und aufwändig gebaut wurde. Reflexe, bunte Punkte, Dispersionsstreifen und ebenso milchige Flecken können sich in ihrer schönsten Form zeigen. Aber auch Top-Objektive sind von solchen Farbspielen nicht gänzlich befreit. Hier trifft es allerdings weniger die Fisheyes als Superweitwinkelobjektive.

So fotografiert man Krebse, Schnecken & Co

Man glaubt es kaum, aber selbst hochwertige Festbrennweiten wie die teuren 14er von Canon, Nikon und Tamron bilden farbige Flecken im Bild, wenn die Sonne über eine der oberen Sensorecken ins Bild dringt. Bei Canon sind die Blendenreflexe rosa, bei Nikon und Tamron blau. Wer mit dem älteren 14 Millimeter von Sigma arbeiten will, darf sich über geringeren Überstrahlungen als mit einem Normalobjektiv. Schließlich soll die Sonne nicht als solitärer hässlich heller Fleck das Bild verhunzen, sondern eine bildhebende Note erzielen. Alles nicht so einfach, denn Bildsensoren mögen es gar nicht, wenn sie mit Licht überfrachtet werden. Deshalb ist es vorteilhaft, wenn sich vor die gleißende Sonne ein größeres Objekt schiebt. Und das kann nur einbezogen werden, wenn der Bildwinkel eine entsprechende Größe besitzt. Wer seine Bilder am Monitor gestalten muss, tut sich eventuell schwer mit der Bildgestaltung, weil einen die Sonne blendet, wenn man die Kamera nach oben hält. Man kann ja nicht die Maske an den Monitor anlegen.

BLITZEN – JA ODER NEIN?

Ob man in eine Gegenlichtaufnahme hinein blitzen soll, entscheidet der Vordergrund und auch die Distanz zum Tauchpartner. Wenn der Vordergrund farbig und ohne Probleme aufgehellt werden kann, sollte man blitzen. In einem tropischen Meer sowieso. Aber auch im Süßwasser gewinnen die Bilder meistens an Aussagekraft, wenn Blitzlicht die Szenerie ins rechte Licht rückt. UW-Fotografen, die aus der analogen Szene kommen, beklagen seit Jahren, dass die Sonne nur im Einzelfall so schöne Strahlen auf dem Bildsensor bildet, wie das seinerzeit mit einem Diafilm möglich war. Meistens wird der Sonnenball als weißer Fleck wiedergegeben. Im Flachwasser umso stärker. Woran liegt das?Ursache ist die Gradationskurve des Bildsensors, die grundsätzlich linear verläuft, egal wie stark die Sonneneinstrahlung ist. Beim Diafilm ist es anders. Hier knickt die Gradationskurve im oberen Drittel ab, weshalb sich dann ausgeprägte Sonnenstrahlen bilden können. Was aber kann man beim Bildsensor machen? Generell sind von dieser Krux Vollformatsensoren weniger betroffen als kleine Bildwandler. Die in Kompaktkameras haben es besonders schwer. Damit sich die Sonne nicht allzu dominant als weißer Oberflächenfleck bemerkbar macht, muss man bestimmte Vorkehrungen treffen.

Ein schönes Motiv sind angeblitzte Korallen im Gegenlicht. Foto: H. Frei

BELICHTUNGSPROBLEME

Soll man bei der UW-Fotografie alles der Belichtungsautomatik und der TTL- Blitzsteuerung überlassen? Wenn Sie eine Kompaktkamera besitzen, bleibt Ihnen meistens kaum eine andere Wahl. Nur High-End-Kompakte gestatten manuelle Eingriffe auf Zeit und Blende. Mit dem Kamerablitz sind Gegenlicht geblitzte Aufnahmen kaum zu realisieren. Insbesondere dann nicht, wenn ein mächtiger Weitwinkelkonverter das Blitzlicht abschattet. Sie müssen mit diesem Kamerasystem unbedingt in einen externen Blitz investieren. Dieser muss sich dann auch manuell bedienen lassen, sodass die schwierigen Lichtverhältnisse beherrscht werden können.

Den Fokus auf Ungewöhnliches lenken. Setzen Sie doch mal Wurzeln in den Mittelpunkt der Gegenlichtaufnahme. Foto: H. Frei

UW-Fotografen, die mit einer Systemkamera fotografieren, haben mehr Möglichkeiten. Die neuen spiegellosen Systemkameras sind mittlerweile mit ihrer TTL-Blitzbelichtung so fortschrittlich, dass man tatsächlich mit amphibischen Blitzgeräten auch Gegenlicht- aufnahmen automatisch blitz- gestalten kann. Es funktioniert nicht in jedem Fall, aber wenn das anzublitzende Motiv nicht allzu dunkel oder schillernd hell ist, haut das erstaunlich gut hin. Man glaubt es kaum, aber die Kameraindustrie hat hier vielversprechende Fortschritte gemacht.

Trotzdem sollten sie sich alternativ mit der manuellen Blitzmethode vertraut machen. Sie ist in allen Fällen sicherer und zuverlässiger, weil der oder die Amphibienblitzgeräte im manuellen Betrieb in den diversen Teillaststufen stets die gleichen Leistungen abgeben, weil keine Automatik eingreift. Natürlich weiß kein Mensch exakt, welche Blitzleistung bei einer Gegenlichtaufnahme wirklich erforderlich ist. Auch Profis machen schon mal.

INDIREKTES GEGENLICHT

Diese Art von Gegenlicht ist zwar weniger spektakulär, aber oftmals die bessere Lösung. Es sind Aufnahmen in Richtung Wasseroberfläche, aber ohne Sonne im Bild. Beispielsweise Taucher über einer Fächerkoralle schwebend, ein Fischschwarm gegen die Oberfläche oder auch ein einzelner Fisch, was im Süßwasser manchmal realisierbar ist. Taucher sollten daher im Einzelfall eine Handlampe tragen und dezent in Richtung des Fotografen leuchten, aber nicht unbedingt direkt in die Optik.

Der Klassiker: Karpfen im Rampenlicht. Foto: H. Frei


Indirektes Gegenlicht ist belichtungstechnisch leichter zu beherrschen als eine direkt ins Bild strahlende Sonne. Auch TTL-Blitzen macht weniger Umstände. Manches haut erstaunlich gut hin. Das Problem, auf das man nur wenig Einfluss ausüben kann, ist die Farbe der Wasseroberfläche. Wenn der Himmel grau ist – nicht immer scheint die Sonne – bleicht der obere Teil des Bildes unschön aus. Computerexperten füllen diese Pein nachträglich mit ei- nem blauen Himmel aus, oder legen eine farbige Fläche auf eine zweite Ebene. Die digitale Fotomontage wirkt deutlich freundlicher – hat allerdings mehr mit Photoshop-Technik, als mit natürlicher Fotografie zu tun. Aber da ist man heutzutage tolerant – was zählt ist das harmonische Bild.

Süßwasserfische fotografieren

Alles andere als indirekt ist das Licht von Sklavenblitzgeräten, das ungebremst in die Optik knallt. Wenn es nicht stark gedrosselt wird, kann es von keinem Bildsensor verarbeitet werden. Die Bilder werden dabei so hoffnungslos überstrahlt, dass man nichts mehr retten kann. Deshalb: Sklavenblitze bitte nicht direkt auf das Objektiv richten. Dem Bildsensor macht es zwar technisch nichts aus – fotografisch kommt allerdings nicht viel brauchbares dabei heraus.

DER TYNDALL-EFFEKT

Wenn Licht das Wasser ähnlich wie ein Laserstrahl durchdringt, sind physikalische Ursachen für dieses Phänomen verantwortlich. Sonnenstrahlen oder auch das Licht von Handlampen wird bei dieser Erscheinung an submikroskopischen Partikeln gestreut, deren Durchmesser etwa die Größe der
Lichtwellenlänge besitzen. Benannt ist dieser Effekt nach seinem Entdecker, dem irischen Physiker John Tyndall (*2.8.1820, † 4.12.1893). zu sehen ist der laserartige Lichtstrahl in UW-Höhlen infolge der seitlich aus dem Lichtbündel herausgetretenen Streuung, die man als Streuung an einer ebenen elektromagnetischen Welle deuten kann. Hierdurch wird der Lichtstrahl auch von der Seite her sichtbar. Gäbe es das Phänomen der Mie-Streuung nicht (benannt nach dem Deutschen Physiker Gustav Mie), würde sich das Licht ohne sichtbaren Strahl verteilen und der Tyndall-Effekt wäre Makulatur. Da der Tyndall-Effekt mit kleiner werdender Wellenlänge zunimmt, neigen diese Lichtbündel häufig zu einer leichten Verblauung. Tyndall-Effekte können wir unter wasser vorzugsweise sehen, wenn Sonnenlicht durch enge Spalten oder Löcher in Riffdächern oder Riffwänden strebt. aber auch, wenn man bei hochstehender Sonne in Richtung Gewässergrund schaut. die Lichtstrahlen bündeln sich dann vor dem Auge und streben dabei einem gemeinsamen Punkt zu. an Land kann man den Tyndall-Effekt bei Nebel erkennen, wenn der Kegel vom  Autolicht an den winzigen Wassertröpfchen weiter geleitet wird. Auch optische Rauchmelder verwenden den Tyndall-Effekt für den alarm, wenn es brennt und sich dabei Rauchschwaden bilden.

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HERBERT FREI

Ohne Kamera geht er nur in die Badewanne. Seit den 70er-Jahren ist Frei erfolgreicher UW- Fotograf. Er schreibt für das Magazin TAUCHEN seit 1978 und ist Autor zahlreicher Fachbücher und gefragter Foto-Referent. www.underwaterpics.de

Seit 1978 für TAUCHEN aktiv: UW-Fotoexperte Herbert Frei.