Die aktuelle Tauchen Magazin 08 2017.
In diesem verrosteten Meeressäuger-Becken in Antalya werden Delphine gehalten

In diesem verrosteten Meeressäuger-Becken in Antalya werden Delphine gehalten © WDSF

Delphin-Todesfälle im türkischen Delphinarium

In einem Delphinarium im türkischen Alanya sind vier Delphine unter mysteriösen Umständen Mitte Februar 2010 gestorben. Ihr Leben in Gefangenschaft begann mit einer grausamen Treibjagd in Japan und endete in einem unhygienischen Vergnügungspark

Delphinarien haben zur Zeit keine gute PR. Vor wenigen Tagen berichteten wir über die tödliche Orca-Attacke auf eine amerikanische Trainerin bei „Sea-World“, jetzt haben wir eine weitere traurige Meldung für euch: Im Sealanya-Delphinarium in Alanya an der türkischen Riviera starben Mitte Februar vier von elf Großen Tümmlern unter mysteriösen Umständen. Das Delphinarium hatte zur Eröffnung im Jahr 2008 aus der japanischen Delfintreibjagd insgesamt zehn Delphine für einen Gesamtpreis von 280 000 Dollar importiert.

Ein Autopsieergebnis soll in den kommenden Wochen die Todesursache der Tiere klären. Die Tiere waren am 6., 9., 10. und 14. Februar kurz hintereinander gestorben. Nachdem das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) im vergangenen Jahr mit Berichten und Bildmaterial auf verrostete, unhygienische Delphinanlagen in Antalya und Belek hingewiesen hatte, die ihre Delphin-Shows als lautstarke Disco-Veranstaltung aufzogen, stoppte auf Druck des WDSF die TUI ihre Verkaufsangebote. Andere deutsche Reiseveranstalter zogen nach. Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer vom WDSF, vermutet, dass die Delphine in Alanya aufgrund von unhygienischen Zuständen gestorben seien. „Für die Türken sind Delphine Fische, sie glauben, sie seien sehr robust, aber das stimmt natürlich nicht!“, so Ortmüller. „Man muss sich das mal vorstellen, die Trainer gehen mit Straßenschuhen an die Becken ran, da infizieren sich die ohnehin schon geschwächten Tiere schnell mit Bakterien und Viren“, so Ortmüller weiter.

Gestern teilte der türkische Reiseveranstalter Öger Tours dem WDSF mit, dass er „sämtliche Delphin-Shows in der gesamten Türkei aus dem Ausflugsprogramm genommen“ habe. Obwohl das WDSF der TUI die Importunterlagen der Delphine im Sealanya aus der grausamen Delphintreibjagd in Taiji/Japan vorgelegt hatte (wir berichteten über die grausame Treibjagd in Japan in der November-Ausgabe 2009), konnte TUI sich nicht dazu entschließen, das Delphinarium aus dem Programm zu nehmen. Die TUI gegenüber dem WDSF: „Kurzfristig kann ich Ihnen leider keine Lösung bezüglich der Delphine in Alanya anbieten. Solange CITES (Handelsvorschriften mit Wildtieren) es als akzeptabel erachtet, Delphine aus der Delphintreibjagd für Delphinparks zu verwenden, schließen wir das mit ein.“ TUI war 2007 und 2008 Sponsor des „Year of the Dolphin“, einer Einrichtung zum Schutz der Delfine.

Schauinsland-Reisen schloss sich der Entscheidung von TUI an. Jahn-Reisen (REWE Touristik) wollte den WDSF-Hinweisen nachgehen und hat bis heute keine Entscheidung getroffen. Thomas Cook hat die Delphinarien in der Türkei nach eigenen Angaben nicht im Ausflugsprogramm. Das WDSF fordert nach den Todesfällen erneut die Schließung sämtlicher türkischer Delphinarien, da die unhygienische Betonbeckenhaltung und der mangelnde Sachverstand der Delphintrainer Hauptgründe der Todesursache sind. Mehr Infos findet ihr auf www.wdsf.de.