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Ein Mann schaut zu wie eine riesige Welle vor der Küste der Insel La Réunion bricht

Ein Mann schaut zu wie eine riesige Welle vor der Küste der Insel La Réunion bricht © Richard Ichard Bouhet/AFP/Getty Images

Forscher sind den Monsterwellen auf der Spur

Selbst seefeste, erfahrene Kapitäne bekommen angsterfüllte Gesichtszüge, wenn es um das Thema Freak Waves, auch Kaventsmänner genannt, geht. Die Monsterwellen tauchen scheinbar ohne Vorzeichen aus dem Nichts auf und türmen sich zu 30 Meter hohen Wasserwänden auf. Eine tödliche Gefahr, der Forscher immer besser auf die Schliche kommen

Lange galten riesige Monsterwellen als Seemannsgarn. Doch immer wieder berichteten Kapitäne und Schiffsmannschaften von sich plötzlich auftürmenden Wasserwänden und mit dem Zeitalter des bewegten Films konnten einige dieser Riesenbrecher auch gefilmt werden (siehe Youtube-Filme unten). Mittlerweile gibt es für die auch als Freak Waves bekannten Wasserwände auch wissenschaftliche Beweise.  Forscher konnten dank Satellitenaufnahmen zeigen, dass im Nordatlantik die meisten Riesenwellen zu finden sind – pro Woche sind es hier sogar zwei bis drei Stück! Für Schlagzeilen sorgte 2001 die Havarie der „Bremen“, als sie manövrierunfähig im Südatlantik trieb. Sie wurde von einer 35-Meter-Welle getroffen. Und auch der Untergang des Tankers „Prestige“ 2002 ist vermutlich auf eine Freak Wave zurückzuführen. Verständlich dass Seeleute die Wissenschaftler fragen: Ob solche Kaventsmänner, wie die Wellen im Seemannsdeutsch heißen, vorhersagbar sind.
Laut einer neuen Studie von Bengt Eliasson und Padma Shukla von der Universität Bochum lautet die Antwort: nein. Monsterwellen tauchen aus dem Nichts auf. Allerdings gibt es besondere Bedingungen, unter denen die Wellen entstehen. Man könnte auch von einem „Monsterwellen-Wetter“ sprechen. Die Forscher experimentierten in Wellentanks und fanden heraus, dass es verschiedene Faktoren gibt, die die Bildung der Brecher fördern. Folgende Bedingungen lassen die Wasserwände aus dem Meer empor steigen:

  • wenn eine hohe Woge von einer zweiten, mit ähnlicher Wellenlänge, eingeholt wird und sich mit ihr vereint
  • wenn Wellenfelder aus unterschiedlichen Richtungen aufeinandertreffen, schaukeln sich die Wellen zu beachtlicher Größe auf
  • starke Gegenströmung läßt die Wellen noch höher werden
  • zwei Wellen, die im Winkel von 42 Grad aufeinandertreffen, werden am höchsten

Was die meterhohen Wasserwogen auch so gefährlich und gruselig macht, ist die Tatsache, dass sie mehrere Minuten stabil bleiben können, bis sie in sich zusammenfallen. Einen wirklichen Schutz vor den Monsterwellen, wird es erst geben, wenn es den Forschern gelingt, die Kaventsmänner auf Tag und Ort genau vorherzusagen. Weitere Infos über Freak Waves findet ihr hier.

Der Youtube-Film unten zeigt, wie die „Bremen“ manövrierunfähig im Südatlantik treibt und wie das Kreuzfahrtschiff kurz zuvor von einer 35-Meter-Welle frontal getroffen wird.

Im Film unten sieht man, wie die „Metsaborg“ 2008 von einer 30 Meter hohen Welle im Nordatlantik getroffen wird.