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Orcas sind sehr soziale Tiere. In freier Natur leben sie in engen Familienbanden zusammen

Orcas sind sehr soziale Tiere. In freier Natur leben sie in engen Familienbanden zusammen © WDCS/B. Auton

Konsequenzen für Sea World nach tödlicher Orca-Attacke

Als im Februar 2010 die Trainerin Dawn Brancheau im Sea-World-Orlando von dem Orca-Männchen „Tillikum“ getötet wurde, begann eine wilde Diskussion über das Thema Orcas ind Gefangenschaft. Jetzt nach sechs Monaten muss Sea World sich den Konsequenzen stellen und Strafe zahlen

Die internationale Wal- und Delphinschutzorganisation WDCS begrüßt die gestrige offizielle Stellungnahme des US-amerikanischen Netzwerks für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz OSHA (Occupational Safety and Health Administration), in der OSHA die Orca-Programme von Sea World thematisiert: Sea World soll Arbeitnehmer während des Trainings mit den Tieren und während der zirkusartigen Shows bewusst bekannten Risiken aussetzen, die den Tod oder ernsthafte Verletzungen verursachen können.
OSHA bestraft diese absichtliche Verletzung seiner Sicherheitsvorschriften mit 75 000 US-Dollar. Sea World bleiben 14 Tage, um der Forderung nachzukommen oder die Schuldzuweisung in Frage zu stellen, bevor OSHA in einer Tagung erneut zusammenkommt, um die Beschlüsse nachzuprüfen. Die Strafe ist das Ergebnis der Untersuchung des Todes von Orca-Trainerin Dawn Brancheau Ende Februar im Sea World Orlando (wir berichteten am 26. Februar). Der tragische Tod hatte viele Fragen aufgeworfen – zum einem, was die Gefahren der Haltung dieser großen Raubtiere in Gefangenschaft angeht und zum anderen, ob Orcas selbst unter der Gefangenschaft leiden.

Orcas sind nicht für die Gefangenschaft gemacht
Die WDCS ist der Überzeugung, dass Orcas nicht in Gefangenschaft gehalten werden können und dürfen – die Tierschutzorganisation beschreibt in einem umfassenden Bericht alle Verletzungen und Unfälle von Trainern von 1970 bis zur Gegenwart, die sich unter Beteiligung in Gefangenschaft lebender Orcas ereigneten. Der Bericht weist darauf hin, dass das aggressive, unberechenbare und deswegen riskante Verhalten der Tiere kennzeichnend für das Showgeschäft mit Orcas ist und unterstreicht die Wichtigkeit der OSHA-Entscheidung.
Cathy Williamson, Leiterin der Anti-Gefangenschaftskampagne bei der WDCS, sagt: „Diese hochintelligenten, sozialen Raubtiere haben in Gefangenschaft eine viel geringere Lebenserwartung als ihre Artgenossen in Freiheit. Sie können zudem gefährlich sein, wie uns der tragische Tod der Sea-World-Trainerin im Februar gezeigt hat. Die WDCS ist überzeugt, dass es an der Zeit ist, aufzuhören, diese tollen Tiere in Gefangenschaft zu halten und fordert daher, dieses Leiden zu stoppen.“
Der dritte tödliche Zwischenfall
Auf der ganzen Welt herrschte Entsetzen, als Dawn Brancheau verstarb, nachdem sie während einer Sea-World-Show vor den Augen der Zuschauer von einem großen Orca-Männchen namens „Tillikum“ ins Wasser gezogen worden war. Die WDCS überraschte dieses Ereignis nicht – dies ist schon der dritte tödliche Zwischenfall, an dem Tillikum beteiligt war – und glaubt, dass dieser Vorfall durch nicht-artgerechte Haltung dieser großen, intelligenten, sehr mobilen und sozialen Art in Gefangenschaft verursacht wurde.
„Das anhaltende, frühzeitige Sterben von Orcas in Gefangenschaft und die Risiken, denen die Trainer ausgesetzt sind, können durch den so genannten ‚Bildungsaspekt‘ von Gefangenschaftshaltung nicht gerechtfertigt werden. Insbesondere, wenn dieser immer mehr in Frage gestellt wird“, so Courtney Vail, Kampagnendirektorin der WDCS.

Die Forderung
„Wir fordern die OSHA auf, die wahren Gründe der Trainertätigkeiten bei Sea World zu hinterfragen – besonders hinsichtlich der langen Vorgeschichte von Verletzungen und Unfällen, die dem unglücklichen Tod der Trainerin vorausgingen. Wir begrüßen die Beharrlichkeit der Agentur, mit der sie um Aufklärung der Umstände dieses tragischen Zwischenfalls bemüht ist.“ Die WDCS fordert eine strengere Kontrolle und Überwachung der Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen durch die Regierung – in den USA und in der ganzen Welt – und führt in diesem Zusammenhang Kampagnen gegen den Fang, Handel und die Gefangenschaft von Walen und Delfinen durch. Die körperlichen, sozialen und psychischen Bedürfnisse dieser faszinierenden Meeressäuger können in Gefangenschaft nicht befriedigt werden. Die öffentliche Zur-Schau-Stellung ist eine Gefahr für wildlebende Populationen, aus denen Tiere für Delfinarien und Schwimmprogramme auf der ganzen Welt lebend gefangen werden. Weitere Infos: www.wdcs-de.org