11_2017_tauchen
Einer der vier Delphine in dem trüben Wasser des Privatpools in Hurghada

Einer der vier Delphine in dem trüben Wasser des Privatpools in Hurghada

Besitzer der vier Hurghada-Delphine im Interview

Die große Protestwelle gegen das Leid der vier Delphine in Hurghada zeigt erste Erfolge: Ab sofort dürfen keine Delphine mehr nach Ägypten importiert werden. tauchen-Redakteurin Jasmin Jaerisch sprach exklusiv mit dem Besitzer der Meeressäuger und Delphinariumsbetreiber Wagdy Saad über die Gesundheit und Zukunft der Tiere

Nach dem bekannt wurde, dass die vier Delphine im Privat-Swimmingpool von Wagdy Saad gehalten werden, kam es zu einer Protestwelle. Walschutzorganisationen riefen zu Protestmails an den ägyptischen Botschafter auf (wir berichteten am 26. September und 28. September). Das Wal- und Delphinschutzforum WDSF drohte letzte Woche dem Botschafter und der ägyptischen Regierung mit einem Aufruf zum Boykott von Ägyptenreisen – und es verkündete erste Erfolge! „Sicherlich haben diese Drohungen und die vielen Protestmails sowie Unterzeichner der Online-Petition den ägyptischen Minister (Anm. d. Red.: Name des Ministers ist nicht bekannt) dazu bewogen ein Importverbot für Delphine nach Ägypten auszusprechen, dieses Verbot ist laut Delphinschützer Ric O’Barry (bekannt geworden durch das Doku-Drama ‚Die Bucht‚), der vor Ort in Hurghada für die Freilassung der Delphine kämpft, ab sofort in Kraft getreten“, so Jürgen Ortmüller, WDSF-Gründer und -Geschäftsführer. Außerdem setzte der ägyptische Minister dem Delphinbesitzer, Wagdy Saad, ein Ultimatum, binnen 48 Stunden die Delphine aus dem viel zu kleinen Pool umzusetzen. Als Ersatz wurde ein Salzsee in der Umgebung von Hurghada in Betracht gezogen, doch Wagdy Saad hatte bereits mit dem Bau eines größeren Beckens begonnen.
tauchen-Redakteurin Jasmin Jaerisch sprach exklusiv mit Wagdy Saad am Telefon über die Delphine. Laut seiner Aussage sind die Delphine gestern Morgen (5. Oktober 2010) umgezogen und es ginge ihnen gut. Wir fragen bei Herrn Saad nach, wohin die Tiere nach Ablauf der Quarantänezeit gebracht werden. „Die vier Delphine sind für die fast fertiggestellte ‚Dolphin-Academy‘ gedacht“, antwortete Herr Saad. Was dass denn genau sein wird, fragten wir: „Kein gängiges Delphinarium. (Anm. d. Red.: Herr Wagdy Saad betreibt bereits das Delphinarium Dolphina in Sharm el Sheikh) In der Academy sollen ägyptische Studenten die Meeressäuger kennenlernen und etwas über die Tiere lernen. Außerdem wollen wir Familien mit Kindern die Möglichkeit geben, mit den Delphinen Urlaub zu machen. Unterkünfte wie Appartements werden auch gebaut. So kann eine Familie eine Woche bei uns Urlaub machen und jeden Tag mit den Delphinen zusammen sein.“ Herr Saab bestätigte, dass in der Einrichtung auch Delphin-Therapien geplant werden. Allerdings sagte er nichts dazu, ob es dann auch ausgebildete Ärzte gibt, die diese Therapien begleiten würden. „In der ‚Dolphin-Academy‘ sollen Kinder und Familien nicht nur Schwimmen, Kuscheln und Spaß haben mit den Delphinen, sondern hier sollen auch künftige Delphin-Trainer ausgebildet werden“, so Saab weiter.
„Das ist reine Taktik. Die Gefangenschaft der Delphine wird mit solchen fadenscheinigen Argumenten wie therapeutische und wissenschaftliche Zwecke gerechtfertigt. Ein beliebtes Mittel bei Delphinarium-Betreibern“, kontert Herr Ortmüller. Die Delphine stammen laut Herrn Saabs Aussage aus Osaka, Japan, allerdings nicht aus der freien Wildbahn, sondern bereits aus Gefangenschaftshaltung. Die Wahrheit dieser Aussage wird von vielen, auch von Herrn Ortmüller, bezweifelt. Da werden Gerüchte von Bestechungsgeldern und gefälschten Papieren laut. „Wie auch immer. Das Import-Verbot ist bereits in Kraft und so können auch die fünf bereits geplanten weiteren Delphine aus Taiji/Japan nicht nach Ägypten gebracht werden“, sagt Ortmüller. Herr Saad vermutet übrigens hinter den ganzen Protest-Aktionen eine Verschwörung. „Da spielen persönliche Gründe eine große Rolle. Die Planer des Delphinariums in Makadi Bay stecken meiner Meinung nach dahinter. Klar möchten sie die einzigen sein mit einer solchen Einrichtung im Land. Aber ich war nun mal der Erste in Ägypten, der diese Delphin-Shows herbrachte“, teilte uns Herr Saab mit. Warum bietet er keine geführten Touren zu freilebenden Delphinen im Roten Meer an, wollten wir als letztes von Herrn Saab wissen: „Da gibt es einfach keine Garantie. Stellen Sie sich mal vor, da bucht eine Familie eine Woche und wir haben kein Glück die Tiere anzutreffen – das geht doch nicht!“ so Herr Saab.

Wir werden an dem Thema dran bleiben und weiter berichten, so bald es etwas Neues gibt.

Hier noch ein Film, der das kleine Becken und die Delphine in Hurghada zeigt: