11_2017_tauchen
Grausam: abgeschlachtete Delphine in Japan

Grausam: abgeschlachtete Delphine in Japan © GRD/Elsa Nature Foundation

Das „Jahr des Delphins“ brachte keine Erfolge

Delphinschützer der GRD beklagen das völlige Versagen der UN-Kampagne und sprechen von einer misslungenen PR-Veranstaltung für den Tourismuskonzern TUI

Das jetzt zu Ende gehende „UN-Jahr des Delphins“ hat nach Ansicht der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) auf ganzer Linie versagt. „Für die Delphine wurde nichts erreicht, dafür kräftig die Werbetrommel für TUI geschlagen, die Bilanz ist ebenso peinlich wie erschreckend“, sagt der GRD-Biologe Ulrich Karlowski.

Die unter Führung der UN-Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) stehende Kampagne hüllte sich zu fast allen wichtigen Themen im internationalen Delphinschutz in Schweigen, angefangen vom Delphin-Beifang in Fischernetzen, über die Grindwal-Abschlachtung bei den Färöer-Inseln – eine Schande für Europa – bis hin zu den barbarischen Delphin-Massakern vor der japanischen Küste.

Trauriger Höhepunkt war nach Ansicht der GRD dabei sicherlich, dass ausgerechnet im „Jahr des Delphins“ das einzige Schutzabkommen für unsere heimischen Schweinswale, Ascobans, faktisch zerschlagen und handlungsunfähig gemacht wurde: www.saveascobans.org

Jedes Jahr schlachten japanische Fischer etwa 23 000 Delphine und Kleinwale ab, einige wenige überlebende werden für Delphinarien aussortiert. Bei den Färöer-Inseln ereilt Tausende Grindwale, eine Delphinart, das gleiche Schicksal. Organisationen, die diese Missstände anprangern wollten, wurden, mit Rücksicht auf den Sponsor TUI, kurzerhand vom „Jahr des Delfins“ ausgeschlossen. TUI bietet Reisen in Delphinarien an, zum Beispiel in den „Ocean World Adventure Park“ in der Dominikanischen Republik, in denen Tiere aus den japanischen Delphin-Treibjagden landen. 

Auch beim Schutz der bedrohten heimischen Schweinswale gab es seitens des „Jahr des Delphins“ keinerlei konkrete Maßnahmen oder Unterstützung bestehender Projekte wie zum Beispiel umweltschonende Beseitigung von Munitionsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg, Reduzierung von Beifängen in Fischernetzen oder Lärmschutzmaßnahmen beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen. „Fast überall, wo es für die Delphine um Überleben oder Aussterben geht, schwiegen sich die Verantwortlichen aus“, bedauert Karlowski. „Dagegen übte man auf Konferenzen gegenseitiges Schulterklopfen und produzierte eine Unmenge bunter Broschüren und anderer Materialien.“

Das Jahr 2009 wurde zum „UN Jahr des Gorillas“ erklärt. „Es ist zu hoffen, dass es den vom Aussterben bedrohten Großaffen besser ergehen wird als den Delphinen“, so Karlowski.