Die aktuelle Tauchen Magazin 08 2017.
An dem „Pollution Control Dome“ werden die letzten Arbeiten vorgenommen

An dem „Pollution Control Dome“ werden die letzten Arbeiten vorgenommen © AFP/Getty Images

Die nächsten Schritte im Golf von Mexiko

BP hat die Arbeiten für Entlastungsbohrungen aufgenommen, um den Ölaustritt zu stoppen. Was erst einmal gut klingt, bekommt durch die erforderliche Arbeitszeit leider einen Dämpfer

Wie BP vermeldet, sind am Dienstag die Arbeiten für eine Entlastungsbohrung angelaufen. Diese Bohrung liegt rund 800 Meter vom schadhaften Bohrloch der versunkenen Bohrinsel „Deepwater Horizon“, aus dem das Öl in den Golf von Mexiko austritt, entfernt. Ziel ist es, das defekte Bohrloch zu isolieren, indem man den Zufluss zum bestehenden Bohrloch unterbindet, und dauerhaft zu verschließen. Das hört sich gut an, nur leider wird dieses Projekt nicht schnell über die Bühne gehen. BP schätzt, dass diese Arbeiten etwa drei Monate dauern werden – der zu unterbindende Zufluss liegt rund vier Kilometer unterhalb des Meeresbodens!

Öl-Auffangglocken
Während die erste Öl-Auffangglocke fast fertig gestellt ist, geht auch der Bau weiterer Glocken anderer Größe weiter voran. Ziel ist es immer noch, die erste Kuppel in rund einer Woche zu platzieren, was jedoch auch von der Wetterlage abhängig ist. Ferngesteuerte U-Boote sollen die Glocke an ihren Platz absenken. Wie effektiv dieses System danach arbeiten wird, wird erst nach einer Funktionsprüfung bekannt sein.

Versuche mit Dispersionsmittel-Injektion
Darüber hinaus hat BP einen zweiten, offiziell genehmigten Test durchgeführt, bei dem Dispersionsmittel unmittelbar in das austretende Öl (beim größten der drei Lecks) injiziert wurde. Ziel ist es, das Dispersionsmittel und das Öl effizient zu mischen, um so größere Ölansammlungen aufzulösen und feiner zu verteilen. Dies erleichtert den natürlichen Zersetzungsprozess und führt zu verringerten Ölmengen an der Oberfläche, was die Belastung für die Tierwelt (Vögel) immerhin etwas verkleinert. Diese Methode hat allerdings auch einen Nachteil: Diese Mittel sind selber auch giftig und reichern sich im Boden an (siehe dazu auch unser Interview mit Dr. Christian Bussau von Greenpeace). Der Vorschlag für das Einbringen von Dispersionsmittel direkt am Öl-Leck kam von einem der Ölunternehmen, an die sich BP in der letzten Woche mit der Bitte gewandt hatte, Vorschläge zu machen und Fachkenntnisse bereitzustellen, die BP beim Verschließen des Bohrlochs und bei der Bekämpfung des Ölteppichs helfen würden.

Kampf an der Wasseroberfläche
BP verfügt derzeit über rund 870 000 Liter an Dispersionsmitteln, die in Abhängigkeit von der Wetterlage zum Einsatz kommen werden. Weitere 787 000 Liter sind bestellt. Die verfügbaren Ölsperren, Spezialschiffe zur Ölbekämpfung, Skimmer-Schiffe und Barkassen werden ebenfalls im Einsatz bleiben, um möglichst viel Öl aufzufangen und zu verhindern, dass es die Küste erreicht.
An Land wurden Einsatzzentren mit Fachkräften und Material eingerichtet, um die Küstenabschnitte zu schützen. Es wird weiter daran gearbeitet, Ölsperren entlang der Küste auszulegen. Bis jetzt sind Ölsperren mit einer Gesamtlänge von über 100 Kilometer eingesetzt und rund 2000 Freiwillige mit den Schutzmaßnahmen vertraut gemacht worden.

UW-Roboter
Am Meeresboden setzt BP weiterhin bis zu acht ferngesteuerte UW-Roboter ein, um die Arbeiten am Sicherheitsventil und anderen Einrichtungen fortzusetzen.

Ein Blick auf die Kosten
BP kann, was die Kosten für die Maßnahmen zur Eindämmung des Ölteppichs und zur Sicherung des Bohrlochs nicht genau angeben. Es wird geschätzt, dass sie mehr als sechs Millionen US-Dollar pro Tag betragen. Es ist außerdem davon auszugehen, dass sich dieser Betrag erhöhen wird, je länger der Einsatz dauert.