Der Titel von TAUCHEN September 2017
Das ROV „Phoca“ im Technik- und Logistikzentrum des IFM-GEOMAR

Das ROV „Phoca“ im Technik- und Logistikzentrum des IFM-GEOMAR © Maike Nicolai

Neuer Tiefsee-Roboter am IFM-GEOMAR

Das Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) stockt seine Kapazitäten für die Tiefseeforschung um einen weiteren ferngesteuerten Tiefseeroboter auf. Es soll zunächst vornehmlich für die Installation des Tiefseeobservatoriums MoLab eingesetzt werden

Es war ein gewaltiges Paket, das der Tieflader kurz vor Weihnachten am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) ablieferte. Und auch wenn es sich nicht um ein Weihnachtsgeschenk handelte, wurde es von den Tiefseeforschern des Instituts mindestens genauso sehnsüchtig erwartet. In einer schlichten Holzkiste steckte sicher verpackt der nagelneue Tiefseeroboter ROV „Phoca“, mit dem die Forscher in Zukunft am Meeresboden komplexe Beobachtungssysteme installieren wollen. „Es ist, als ob uns neue Arme und Augen für die Tiefsee gewachsen sind“, sagt Dr. Olaf Pfannkuche, wissenschaftlicher Leiter des Technik- und Logistikzentrum am IFM-GEOMAR.

Arbeitseinsatz in 3000 Metern Tiefe
Das ROV „Phoca“ ist ein mittelgroßer Arbeitsroboter vom Typ „Comanche“ der schottischen Firma sub-Atlantic. Es wiegt 1,5 Tonnen und ist in Wassertiefen von bis zu 3000 Metern einsetzbar. Zusammen mit dem ROV „Kiel 6000“, das seit 2007 am IFM-GEOMAR beheimatet ist, verfügt das Institut jetzt über zwei ferngesteuerte Tauchroboter mit sogenannter „work class“ Klassifizierung. Für das erfahrene ROV-Team des IFM-GEOMAR ist an dem neuen Gerät vieles vertraut. „Wir haben uns speziell für diesen Typ ROV entschieden, weil es einige Übereinstimmungen mit dem bereits vorhandenen ROV ‚Kiel 6000‘ gibt“, erklärt Team-Leiter Dr. Friedrich Abegg. So sind zum Beispiel die Winden und die Versorgungskabel beider ROVs austauschbar. Auch die zwei Greifarme des neuen Tauchroboters sind vom gleichen Typ wie beim ROV „Kiel 6000“, so dass der Aufwand für Training und Wartung vermindert werden kann. Ein wesentlicher Vorteil des ROV „Phoca“ ist jedoch, dass es auch von den mittelgroßen Schiffen des IFM-GEOMAR, der „Poseidon“ und der „Alkor“ aus einsetzbar ist und damit eine Lücke im Portfolio des Instituts schließt.
Observatorium in der Tiefsee
Das mit Steuercontainer, Winde und Kabel rund 1,2 Millionen Euro teure Gerät wird zunächst vornehmlich für den Aufbau und Wartung des modularen multidisziplinären Meeresboden-Observatoriums „MoLab“ (siehe dazu auch unsere News vom 21. Mai 2010) eingesetzt werden. Dieses neuartige Beobachtungssystem für die Tiefsee wird derzeit am IFM-GEOMAR entwickelt und zum Teil mit Unternehmen aus Schleswig-Holstein gebaut. „Zwei Drittel der Erdoberfläche sind noch fast unbekannt, weil sie von kilometertiefen Meeren bedeckt sind“, erklärt Dr. Olaf Pfannkuche, der auch das Projekt MoLab leitet. „Wenn wir unsere Erde besser verstehen wollen, müssen wir diese zwei Drittel langfristig und großflächig beobachten können. MoLab ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung“, betont Dr. Pfannkuche. Das ROV „Phoca“ wird dabei ein unverzichtbarer Helfer sein, mit dem am Meeresboden Messgeräte, auf- und abgebaut sowie gewartet werden können. Erste Testeinsätze für MoLab und das neue ROV sind im Frühjahr 2011 geplant. „Wir freuen uns sehr über diesen Zuwachs“, betont auch IFM-GEOMAR Direktor Professor Peter Herzig. „Mit den neuen Kapazitäten, die uns das ROV „Phoca“ bietet, können wir unseren Forschungsauftrag deutlich flexibler erfüllen. Die Ausstattung des IFM-GEOMAR mit Tiefsee-Geräten gehört damit zu den umfangreichsten und modernsten Europas.“ Weitere Infos findet ihr auf www.ifm-geomar.de