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Akut bedroht: die Feuchtgebiete an der Küste Louisianas

Akut bedroht: die Feuchtgebiete an der Küste Louisianas © Getty Images

Ölteppich hat die Küste Louisianas erreicht

Nachdem der Wind zugenommen hatte, erreichte der Ölteppich gestern Nacht Louisianas Küste. Nun wird eine schlimme Naturkatastrophe befürchtet

Der gigantische Ölteppich, der nach dem Untergang der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ weiter wächst und wächst, hat die Küste des US-Bundesstaats Louisiana erreicht. Schlechtes Wetter und starker Wellengang hatte das Bekämpfen des Ölteppichs im Golf von Mexiko zudem noch erschwert. Auch die Versuche, das Öl mit schwimmenden Barrieren aufzuhalten, scheiterten. Nun wird eine schlimme Naturkatastrophe befürchtet. US-Präsident Barack Obama hatte bereits am Donnerstag die Ölpest zu einer „nationalen Katastrophe“ erklärt, der Gouverneur von Louisiana rief den Notstand aus.
Empfindliche Küste
Die Küste ist ein hoch sensibler Lebensraum. Hunderte Fisch- und Vogelarten leben hier, vor der Küste werden Austern gezüchtet. Der WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter äußerte sich zu den Folgen der Umweltkatastrophe folgendermaßen: „An der Küste Lousianas gibt es Lebensräue, die sehr empfindlich auf Ölverschmutzungen reagieren werden. Während es in der Nordsee das Wattenmeer mit seinen weiten Gezeitenflächen gibt, gibt es dort Lagunen und Mangrovensümpfe als Gezeitengebiete. Beiden gemeinsam ist: Wenn Erdöl auf die Schlickflächen auftritt, schneidet es die gesamte Lebensgemeinschaft darunter von der Sauerstoff- und Wasserzufuhr ab. Sie erstickt langsam. Und wo die Lebensgemeinschaft nicht erstickt, tragen all die Würmer, Muscheln und Schnecken das Öl noch tiefer in den Boden ein. Und dort bleibt es auf Jahre liegen, weil unter Sauerstoffabschluss kein natürlicher Erdölabbau stattfindet. Man rechnet, dass sich Lebensräume wie Schlickflächen und Salzwiesen frühestens nach zehn Jahren erholen.“

Korallenriffe Floridas sind in Gefahr!
Einige Experten gehen außerdem davon aus, dass die Meeresströmung das Öl bis nach Florida treiben wird. Dazu sagt  Stephan Lutter: „Wenn das Ausmaß der Ölpest noch größer werden sollte und auch Florida erreichen würde, dann würde das Öl auch Korallenriffe und Seegraswiesen verschmutzen – unter anderem die Lebensräume der Seekühe.“

Maßnahmen am Unglücksort
Wie BP vermeldet, sind die UW-Roboter, die versuchen, das Sicherheitsventil an der versunkenen Bohrinsel zu schließen, weiter im Einsatz. Währenddessen ist gleichzeitig an Land mit der Konstruktion einer speziellen UW-Auffangeinrichtung für das ausströmende Öl begonnen worden. BP geht davon aus, dass diese Konstruktion innerhalb der nächsten vier Wochen fertig gestellt sein wird.
Gestern hat außerdem das Bohrschiff „Transocean Development Driller III“ mit einer Entlastungsbohrung begonnen. Ein zweites Bohrschiff befindet sich auf dem Weg zum Bohrloch, um bei Bedarf mit einer zweiten Entlastungsbohrung beginnen zu können.