Die aktuelle Tauchen Magazin 08 2017.
Der fünf Meter lange Rote Thunfisch steht kurz vor der Ausrottung

Der fünf Meter lange Rote Thunfisch steht kurz vor der Ausrottung © Wikipedia

Todesurteil für Roten Thunfisch gefallen!

Auf der CITES-Konferenz in Doha kam es bei der Abstimmung für ein Handelsverbot des Roten Thunfischs zu einem Eklat – er darf weiter gejagt werden, obwohl er kurz vor dem Aussterben steht

Vom Aussterben bedrohte Bestände des stark überfischten Roten Thunfischs können auch weiterhin geplündert werden. Auf der Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) in Doha (Katar) scheiterte am Donnerstag der Antrag Monacos für ein Handelsverbot für den Roten Thunfisch mit 20 zu 68 Stimmen deutlich an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. „Wir sind sehr enttäuscht, dass die internationale Staatengemeinschaft dem Roten Thunfisch keine Chance gab. Kommerzielle Interessen der Fischerei-Industrie haben wieder einmal über den Schutz der Meerestiere gesiegt“, so Daniela Freyer, die für Pro Wildlife an der Konferenz teilnimmt. Der Schutz des Roten Thun ist das bislang am meisten kontrovers diskutierte Thema auf der Artenschutzkonferenz und endete mit einem Eklat: Vor allem Fischereinationen, wie zum Beispiel Chile, Venezuela, Indonesien und Namibia, aber auch Libyen, sprachen sich kategorisch dagegen aus – allen voran Japan, der größte Importeur. Auch ein Kompromissvorschlag der EU fand keine Zustimmung: Die EU wollte das Handelsverbot nur dann in Kraft treten lassen, wenn ein letzter Versuch der Internationalen Kommission zur Erhaltung der Atlantischen Thunfischbestände (ICCAT) zur Rettung des Thunfischs scheitern sollte.

Der Rote Thunfisch (Thunnus thynnus), auch Blauflossenthun genannt, ist ein Fisch der Superlative: Er wird bis zu 700 Kilogramm schwer und fünf Meter lang, erreicht 80 Stundenkilometer und taucht 900 Meter tief. Doch jahrzehntelange Überfischung brachte die Bestände an den Rand des Kollapses: Experten schätzen, dass es heute 85 Prozent weniger Rote Thunfische gibt als vor 50 Jahren. Im Westatlantik ist der Rote Thun vom Aussterben bedroht, im Mittelmeer und Ostatlantik stark gefährdet.

Die EU ist der größte Exporteur des Roten Thun, der Großteil des Fangs geht nach Japan. Dort ist er für Sushi oder Sashimi sehr begehrt. Auf einer Fischauktion in Japan erzielte ein einziges Tier kürzlich einen Rekordpreis von 130.000 Euro. „Der Zusammenbruch der Bestände geht auf das Konto der EU-Fischerei-Industrie und der millionenschweren EU-Subventionen. Frankreich fängt weltweit den meisten Roten Thun. Immer größere Fangschiffe und leistungsfähigere Fangtechniken haben dazu geführt, dass die gefangenen Fische immer kleiner werden“, so Freyer.

Die Thunfischkommission ICCAT, die den Fang regulieren soll, versagt seit 30 Jahren darin, die Überfischung zu stoppen. Die ohnehin zu hohen Fangquoten werden angesichts der horrenden Preise, die für Roten Thun gezahlt werden, regelmäßig überschritten. „Die Lage des Roten Thun ist dramatisch“, so die Pro-Wildlife-Sprecherin. „Mit der heutigen Entscheidung geht die Jagd auf die letzten großen Exemplare des Roten Thun ungehindert weiter.“

Weitere Informationen findet ihr auf www.prowildlife.de/CITES_CoP15