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Grindwale werden in der Leynar-Bucht auf den Färöer-Inseln zusammengetrieben und brutal abgeschlachtet

Grindwale werden in der Leynar-Bucht auf den Färöer-Inseln zusammengetrieben und brutal abgeschlachtet © Dave Currey/Environmental Investigation Agency

Verzehr von Walfleisch ist lebensbedrohlich

Die Gesundheitsbehörde der Färöer-Inseln fordert ein Konsumverbot von Walfleisch und löst damit eine internationale Debatte aus. tauchen organisiert in Kooperation mit der WDCS eine unterstützende Protestaktion gegen die grausame Treibjagd auf den Färöer-Inseln

Wenn vor den Färöer-Inseln Grindwale vorbeiziehen, ist die Jagd auf eröffnet. Die Wale werden von Motorbooten in ganzen Familiengruppen in die flachen Küstengewässer getrieben. Von dort werden ihnen stumpfe Metallhaken in die Blaslöcher gebohrt, mit denen sie auf den Strand gezogen werden. Im Anschluss daran werden ihnen mit Messern die Hauptschlagadern aufgeschnitten. Das Meer färbt sich rot. Die Jagd auf Kleinwale hat auf den Faröern eine lange Tradition. Naturschützer kritisieren schon seit Jahren diese Treibjagden. Nun schalten sich auch die Gesundheitsexperten der Färöer Inseln in die Debatte ein und fordern ein Verbot des Konsums von Grindwalfleisch: Die Mediziner Dr. Høgna Joensen und Páli Weihe haben eine Langzeitstudie veröffentlicht, die besagt, dass Walfleisch und -speck so hochgradig mit Giftstoffen belastet sind, dass sie für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet seien. Es wurde eine Verbindung zwischen Walfleischkonsum und Entwicklungsstörungen bei Kindern sowie zwischen Walfleischkonsum und der Parkinsonschen Krankheit entdeckt.
Der hohe Verseuchungsgrad des Grindwalfleischs spiegelt die starke Verschmutzung des Nordatlantiks wieder. Da diese Walart in der Nahrungskette ganz oben steht, reichern sich in ihrem Gewebe die langlebigen organischen Schadstoffe an. Die starke Belastung des Grindwalfleischs ist schon seit längerem bekannt und hatte die Färinger Autonomieregierung vor einigen Jahren dazu veranlasst, den Konsumenten eine Einschränkung des Walfleischverzehrs zu empfehlen.

Neu ist die offenbar bestehende Verbindung mit einer Parkinson-Erkrankung. In der Juliausgabe des Journals für Neurotoxikologie erklärten Weihe und seine Kollegen, dass ein hoher Konsum von Walfleisch und -speck im Erwachsenenalter mit einem Ausbruch der Parkinsonschen Krankheit in eindeutigem Zusammenhang steht. Die Giftstoffbelastung ist auch für die Tiere selbst eine große Gefahr. Es häufen sich die Hinweise auf Gesundheitsprobleme bei  Grind- und anderen Zahnwalarten im Nordatlantik.

Nicolas Entrup Geschäftsführer vom WDCS (Whale and Dolphin Conservation Society): „Obwohl das Hauptaugenmerk der WDCS auf der Gesundheit und dem Wohlergehen der Wale liegt, schien uns das Andauern des Walfleischkonsums allein aufgrund der Gesundheitsgefährdung für die Konsumenten schon seit längerem unangebracht. Die neue Information über den Zusammenhang des Walfleischverzehrs und der Parkinsonschen Krankheit bestätigt nur die bereits bekannten Risiken des Konsums von verseuchtem Walfleisch. Wir hoffen, dass die Regierung der Färinger entsprechend verantwortungsvoll mit einem Verbot des Konsums von Grindwalfleisch und dem Fleisch anderer Kleinwalarten reagiert. Wir rufen die Regierung der Faröer-Inseln auf, den Konsum von Walfleisch zu untersagen. Die dänische Regierung fordern wir auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen und umfassenden Schutz für Grindwale und Weißseitendelfine sicherzustellen und die Jagd zu beenden. Beide Arten sind durch das regionale Schutzabkommen für Kleinwale in der Nordsee geschützt. Das Verbreitungsgebiet beider Arten erstreckt sich aber darüber hinaus auch bis in die Gewässer der Färöer-Inseln.“

tauchen hat in Kooperation mit der WDCS eine Protestaktion auf die Beine gestellt: Über die WDCS-Homepage könnt ihr einen Protestbrief an die dänische Regierung abschicken und ein Verbot des Verzehrs von Walfleisch fordern. Weitere Infos findet ihr auf www.wdcs-de.org.




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