11_2017_tauchen
Der Greifswalder Bodden

Der Greifswalder Bodden © A. Wieme/WWF

WWF überpüft Genehmigungen für Ostseepipeline

Die deutschen Behörden haben vor rund zwei Wochen die
Genehmigungen für den deutschen Abschnitt einer Gaspipeline durch die
Ostsee an die Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern übergeben. Der WWF fordert Kompensation und leitet rechtliche Prüfung ein

Der WWF fordert vom Betreiber Nord Stream eine volle Kompensation der entstehenden Umweltschäden und wird die Genehmigungsbescheide rechtlich prüfen lassen. Für den deutschen Küstenbereich sind Ausgleichsmaßnahmen bislang nur für etwa 40 Prozent der Eingriffe in die Meeresumwelt vorgesehen. Durch Baggerungen für die Trasse der Gaspipeline am Meeresboden und Freisetzung großer Mengen Stickstoff und Phosphor drohen massive Schäden im Ökosystem der Ostsee.
„Der WWF kann der Pipeline nur zustimmen, wenn in der Summe die Bilanz von Eingriffen und Kompensation ostseeweit gleich Null ist. Die Ausgleichsmaßnahmen müssen der geschunden Ostsee direkt zugute kommen“, sagt Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros. Der WWF wird daher die Genehmigungsbescheide durch seine Fachjuristen prüfen lassen, bevor sie rechtskräftig werden.

Trasse verläuft durch Naturschutzgebiete
Die geplante Trasse durchschneidet mehrere EU-Naturschutzgebiete, darunter das geschützte Riff der Schwelle zwischen Greifswalder Bodden und Ostsee. Hier muss für die Verlegeschiffe der Pipeline eine neue Fahrrinne gebaggert werden. Auf einer 400 Hektar großen Klappstelle vor Usedom soll der Meeresboden aus der Pipelinetrasse im Greifswalder Bodden zunächst ins Meer geschüttet und später wieder abgebaggert werden. Pipelinebetreiber Nord Stream hat anerkannt, dass sich diese Eingriffe erheblich auf das Ökosystem auswirken werden.
Ein weiterer schwerer Eingriff ist nach Auffassung der Umweltstiftung WWF die Freisetzung von 53 000 Tonnen Stickstoff und 12 000 Tonnen Phosphor aus dem Meeresboden in den Wasserkreislauf der Ostsee. Dies entspricht einem Drittel des jährlichen Gesamteintrags dieser Stoffe. „Im schlimmsten Fall drohen durch diese massive Überdüngung neue Todeszonen in der Ostsee, wenn wir nicht gegensteuern“, warnt Jochen Lamp. Eine Ausgleichsmöglichkeit wäre die Schaffung großflächiger Feuchtgebiete, die den Flüssen Nährstoffe entziehen, bevor das belastete Wasser in die Ostsee gerät und das Überdüngungsproblem verschärft.
Die Nord-Stream-Pipeline soll zwischen dem russischen Viborg und dem deutschen Lubmin entstehen und führt durch die territorialen Gewässer von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland. Nach der Genehmigung durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie sowie das Bergamt Stralsund liegen sämtliche Genehmigungen vor. Weitere Infos: www.wwf.de